CD-Review: Die Dorks – Der Arsch auf Deinem Plattenteller

Die metallisch angehauchte Band mit sechs Mitgliedern rund um Frontfrau Lizal hat im Oktober 2018 ihr 6. Album veröffentlicht. Während Sie am Anfang als simple Deutschpunkband bekannt waren beweisen Sie heute auf ihrem Longplayer was sie alles drauf haben und das auf rund 75 Minuten! Wer massentaugliches Popgedudel und lückenfüllende „Oh-Oh-Oh“ Chöre sucht ist bei DIE DORKS an der falschen Adresse. Die Songs wechseln sich ab mit aggressiven und melodischen Riffs. Das ganze passiert quer durch alle Subgenres des Heavy Metal und Rock. Ein Genre zu finden? Unmöglich!

Die Tracks:

Das Album beginnt wie viele 08/15 Alben heutzutage: mit einem instrumentalen Intro. Nur das sich DIE DORKS hier natürlich nicht den Moment nehmen lassen um ganz klar ihre Meinung zu sagen. Wer bei Der Producer hat gesagt, wir brauchen ein Instrumentalintro etwas ruhiges einleitendes erwartet kennt DIE DORKS nicht, mit Gitarrensoli und einer deutlichen Ansage, die einem deutlich bewusst macht wie heutzutage die Standards und Regeln im Musikbuisiness sind, leitet die Band das Album einfach genial ein. Das Thema wird im folgenden Song Der Arsch auf meinem Plattenteller weitergeführt und erzählt dabei wie eine mittlerweile erfolgreiche Person die ihre Texte nicht mehr selber schreibt damit der Erfolg nicht ausbleibt. Der dritte Song auf dem Album handelt von einem sehr wichtigen Thema: dem Drang nach Aufmerksamkeit und Sozialen Medien. Das vierte Lied ist definitiv das gesellschaftskritischste von allen auf dem Album. In Die Trümmer der Zivilisation verdeutlicht die Band nur noch einmal mehr, dass wir an unserer Lebensart etwas ändern müssen. Man hält die in dem Song besungenen Menschen zwar für Primaten aber dafür sind sie glücklich und müssen nicht mit zum Beispiel Gift in ihrem Wasser kämpfen. Während Zu lange Winter in Berlin und Barrikaden aus Fleisch und Blut eher negativ auf die Gesellschaft blicken, motiviert mich Sinn des Lebens mal ein wenig mein Leben in den Griff zu bekommen und einfach mal Dinge in Angriff zu nehmen, die ich normal innerlich verstecke und jedes mal ein schlechtes Gewissen bekomme wenn ich wieder in Gedanken darauf stoße. Mehr als nur verschwendete Jugend erzählt eine ganze Geschichte über Jugendsünden. Der Song Wo die Musik noch offline spielt ist für mich eindeutig am nachvollziehbarsten. Mit Zeilen wie „Und wieder wirst du nicht am Eingang steh’n, denn deine Lieblingsbands kannst du auf Youtube seh’n“ bringt die Band mich in Gedanken sofort an stundenlanges frieren vor Konzerten und hat sich damit direkt in mein Herz gespielt. Mit etwas Abwechslung fängt Am Tresen einer anderen Stadt mit einem Klavierintro an und erzählt dann das es total in Ordnung ist „anders“ zu sein, auch wenn es anderen nicht gefällt. Das die Band gerne ihre Meinung in Songs unterbringt habe ich von Anfang an gemerkt, auch das lassen sie sich nicht nehmen und beschweren sich über die heutige Underground Kultur. Mit einem Gitarrenintro fängt Wenn die Angst zum Zeitgeist wird an. Diesmal singt Lizal von Ängsten und Vergangenheit. Der Song mit dem wichtigsten Text ist für mich Die Zeit der Lügengesten. Es geht darum das wir aufrecht bleiben müssen und in Zeiten von Rassismus und Terror hinter unserer Meinung stehen müssen.  Weil es jeder von uns braucht ist wohl das ruhigste Lied auf Der Arsch auf deinem Plattenteller. Bei Zu fett für deine Lederjacke ist das einzige Feature auf dem ganzen Album: Wölfi Kassierer. Der Sänger der Satire-Punkband Die Kassierer singt zusammen mit Lizal über einen Menschen der es einfach nicht nötig hat sich zu beweisen da er einfach einer dieser Typen ist die man gern in seiner Nähe oder in seiner Stadt hat. Im vorletzten von den siebzehn Songs erzählen DIE DORKS erneut was ihre Musik ausmacht, aber versteckt in einer Entschuldigung mit rhetorischen Fragen an die Zuhörer. Und was wäre ein möchte gern 0815 Album ohne einen versteckten Song? Natürlich haben DIE DORKS sich auch da etwas lustiges ausgedacht und teilen ihren Fans in Hidden Dreck mit was sie von Hidden Tracks halten.

Mein Fazit:

DIE DORKS haben echt einiges auf dem Kasten. Mir gefallen die gesellschaftskritischen Texte, die auf literarischem Niveau geschrieben sind. DIE DORKS nehmen kein Blatt vor den Mund und sagen deutlich ihre klar antifaschistische Meinung. Das Album ist ein extrem wilder Mix und super abwechslungsreich gestaltet. Die ganze Band verdient meiner Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit – DIE DORKS sind einfach genial.

Die Dorks – Der Arsch auf Deinem Plattenteller

Veröffentlichung: 19. Oktober 2018 – Coretex Records
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