CD-Preview: Delain – Moonbathers

Nachdem uns DELAIN mit “Lunar Prelude” bereits früher in diesem Jahr eine nette Preview lieferten, in was für eine Richtung sich das neue Album bewegen würde, erwartet uns mit “Moonbather” nun genau dieses. Das sehr eigene Artwork ist an die EP angelehnt, orientiert sich stilistisch allerdings auch am Zweitling “We Are The Others”. Mit Alissa White-Gluz (ARCH ENEMY) erwartet uns diesmal eine hochkarätige Gastperformance, die sicherlich auch darauf zurückzuführen ist, dass Sängerin Charlotte Wessels eine gute Freundschaft zu ihr pflegt. Nun geht’s aber ans Eingemachte.

Den Anfang macht Moonbathers mit Hands of Gold. Gleich zu Beginn der wohl lauteste Song auf dem Album in dem schnellen Gitarrenriffs mit Doublebase unterlegt auf voluminöse Streicher treffen um ein aufgeregtes Stimmungsbild zu erzeugen das besonders zu Beginn durchaus etwas Piratenatmosphere erzeugt. Der Refrain ist mit Druck gesungen und mit vollem orchestralem Sound hinterlegt und geht über in die einzige gegrowlte Gesangspassage, was auch gut so ist, denn Operngesang liegt Frontsängerin Charlotte Wessels doch deutlich besser. Gefolgt wird der Song von The Glory and the Scum , ein Song der zwar etwas langsamer ist aber dadurch nicht an orchestraler Fülle einbüßt. So sind die Strophen zwar deutlich gesangsdominiert aber der Refrain ist dafür Kraftvoll wie zuvor. Deutlich stimmungsvoller wird es mit Suckerpunch. Hie_679_Delain_CMYKr findet sich neben einem männlichen Chor im Refrain auch elektronische Ansätze in den Strophen. Ein Sehr atmosphärischer Song der live sicher zum mitgrölen anregt. Anschließend geht das Album einen deutlich ruhigeren Weg. Mit Hurricane folgt ein fast balladenmäßiger Song. Mit ruhigen 80 BPM sind die Strophen nur mit sehr gefühlsvollen leidenschaftlichen Gesang, einem leisen Keyboard und einem ruhigen Schlagzeug gefüllt bis der Song zum Ende hin an Fülle gewinnt und deutlich kraftvoller endet. Eine vollwertige Ballade folgt mit Chrysalis. In 5:36 Minuten wird nur mit Piano, Synthi und leidenschaftlichen Gesang eine mysteriöse melancholische Atmosphäre erzeugt die sich über den ganzen Song langsam steigert. So steigt zuerst ein ruhiges Schlagzeug mit ein, dann stimmungsvolle Streicher die zum Ende hin immer dominanter werden bis der Song schließlich wieder abrupt abkühlt und ruhig ausklingt. Auf E-Gitarren wurde hier diesmal komplett verzichtet. Somit gehört der Song definitiv zu einen der Highlights des Albums. Zum aufwachen folgt Fire With Fire. Hier wird mit Gitarrenriffs wieder ein deutlich aufgeregteres temporeiches Klangbild erzeugt. Ein Song der gut überleitet zu Pendelum der eine deutlich Härtere Gangart an den Tag legt. Zwar ist der Song mit 105BPM nicht besonders schnell, jedoch erzeugen die harten Gitarrenriffs mit starkem Distortion dennoch einen harten Metalklang der jedoch immer wieder von klaren Operngesang in den Hintergrund geschoben wird. Mit Dense Macabre erzeugt Frontsängerin Charlotte Wessels in den Strophen mit einer stetig wiederholten gejodelten Gesangspassage einen fast schon keltischen Klang der mit einem passenden Drumset untermauert wird. Im Refrain hören wir jedoch den für Delain typischen leidenschaftlichen Gesang mit atmosphärischer Untermalung. Gerade durch dieses fremdländische Feeling zählt dieser Song zu einem weiteren Highlight auf dem Album. Zum Kontrast folgt daraufhin Scandale. Mit klassischen Metalgitarrensound und Heavymetalgesang erinnert der Song vom Sound her stark an die amerikanische Rockband Journey. Auch durch mehrere hoch gespieltes Gitarrensolo hat man hier das Gefühl eine kleine Zeitreise zu machen jedoch ohne dass der Song den für Delain typischen Charakter verliert. Mit Turn the Lights Out neigt sich das Album langsam Richtung Ende. Theatralisch gesungene Wiederholungen einer Gesangspassage mit schnellen verzerrten Gitarrenriffs erzeugen kurz vorm Abschied nochmal ein sehnsüchtiges Gefühl. Doch Zeit die Lichter auszumachen ist es noch nicht denn das Album wird verabschiedet durch The Monarch, ein sehr orchestralisches Instrumental in dem außer leisen stimmungsvollen Gesumme nur wenig geflüsterter Gesang platzfindet. Zum Ende hin ein sehr gelungener gefühlsvoller Ausklang in dem sich das Album nach einem letzten Aufbauschen nochmal mit leisem Gesumme verabschiedet.

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Fazit: Wer Klassiche Symphonic Metal Bands wie Nightwish oder Within Temptation kennt und liebt wird sich auch für Delain begeistern können. Leidenschaftlicher weiblicher Operngesang kombiniert mit schnellen Gitarrenriffs und untermal mit einem voluminösen orchestralen Sound erzeugen das was Symphonic Metal ausmacht. Dennoch schafft es Delain eine gewisse unbeschreibliche Note mit in die Songs zu bringen die sie von anderen Bands des Genres abhebt. Besonders bei Songs wie Dense Macabre kommt diese charaktergebende Stimmung besonders zum Vorschein. Zugegebener Maßen bin ich persönlich kein besonders großer Fan des Genres da hier oft versucht wird ein besonders „Episches“ Klangbild zu erzeugen etwa durch schnelle markante Drumpatterns oder gedoppelte Vocals was allerdings eher in meinen Ohren ein gehetztes aufgeriebenes Gesamtbild entstehen lässt. Doch gerade hier scheint Delain besonders hervor, denn mit Moonbathers versucht Delain eher das was sie machen mit besonders viel Gefühl zu machen mit einem hohen Augenmerk auf die dadurch entstehende Gesamtstimmung. Wer also episches Geballer erwartet das einem das Gefühl gibt auf einem Drachen durch einen Elfenwald zu Fetzen der könnte hier eventuell enttäuscht werden. Wer jedoch ein durch und durch stimmungsvolles und leidenschaftliches Album mit eher etwas ruhigeren dafür aber sehr gut ausgearbeiteten Klängen sucht das einem das Gefühl gibt vor einem Aztekentempel zu stehen der ist mit Moonbathers hier genau richtig.

Delain – Moonbathers
Veröffentlichung: 26.08.2016 Napalm Records (Universal Music)
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Hier könnt ihr das Album erhalten: Digital Download | Digipack | Venyl